Wissenschaft

Aktuelle Forschungsprojekte sind im Bereich der Stoffwechselforschung angesiedelt. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Klein an der Universität zu Lübeck kooperiert mit nationalen und internationalen Partnern und wird gegenwärtig u. a. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt.

WISSENSWERTES AUS AKTUELLEN STUDIEN:

Schilddrüsenerkrankungen nehmen zu

In einer Region Schottlands mit etwa 390000 Einwohnern fand sich anhand von Datenbankanalysen eine um 60 % zunehmende HÄufigkeit von Schilddrüsenerkrankungen auf fast 4 % der Bevölkerung im Zeitraum zwischen 1994 und 2001. Diesem Anstieg liegen sowohl ein häufigeres Auftreten von über- und Unterfunktionen der Schilddrüse als auch eine frühere Diagnostik der Störungen zu Grunde.

Increasing Prevalence and Incidence of Thyroid Disease in Tayside, Scotland: The Thyroid Epidemiology Audit and Research Study (TEARS). Clin Endocrinol 68:311-16, 2008

Kommentar: Angaben zur Häufigkeit von Schilddrüsenerkrankungen schwanken regional, eine Zunahme muss aber wahrscheinlich auch für Deutschland angenommen werden. Wichtig ist, bei unklaren Beschwerden – insbesondere vor bzw. wÄhrend einer Schwangerschaft und im höheren Lebensalter – auch an die Möglichkeit einer Schilddrüsenerkrankung zu denken.

Abnahme der Knochendichte in den späten Wechseljahren

Bei über 1900 untersuchten Frauen kaukasischer, afroamerikanischer, chinesischer und japanischer Herkunft wurde anhand mehrerer Verlaufsmessungen ein Knochendichteverlust insbesondere in den spÄten Phasen der Wechseljahre festgestellt. Dieser Verlust korrelierte mit geringerem Körpergewicht und war unabhÄngig von der ethnischen Herkunft.

Bone Mineral Density Changes during the Menopause Transition in a Multiethnic Cohort of Women. J Clin Endocrinol Metab, 93:861-68, 2008

Kommentar: Osteoporose ist heutzutage mit nichtmedikamentösen und medikamentösen AnsÄtzen sicher und wirksam behandelbar, wird aber zu wenig bedacht und erkannt. Insbesondere in bzw. nach den Wechseljahren sollte dieser Erkrankung bei Frauen ein besonderes Augenmerk gelten.

Chronischer Alkoholgenuss führt zu einer Aktivierung der Stressachse

Bei etwa 3700 Männern und Frauen wurden Informationen zum Alkoholgenuss mit mehreren, zeitlich aufeinander abgestimmten Messungen des Stresshormons Kortisol in Beziehung gesetzt. Stärkerer Alkoholgenuss war mit erhöhten Spiegeln dieses Stresshormons verbunden.

The Relationschip between Alcohol Consumption and Cortisol Secretion in an Aging Cohort. J Clin Endocrinol Metab, 93:750-7, 2008

Kommentar: Die Autoren dieser Studie vermuten, dass chronischer Alkoholgenuss zu einer anhaltenden Veränderung der Stressantwort des Körpers führt. Darüber könnten sich evtl. auch Stoffwechselkomplikationen einer dauerhaft erhöhten Alkoholzufuhr erklären lassen.

Empfängermolekül für Blutdruck-steuerndes Hormon Aldosteron reguliert Entzündungsantwort und Energieabgabe von Fettzellen

Das Hormon Aldosteron wird in der Nebenniere gebildet und steuert Salzhaushalt und Blutdruck. Das spezifische Empfängermolekül dieses Hormons, das für die Vermittlung seiner Wirkungen im Körper verantwortlich ist, der Mineralokortikoidrezeptor, wurde kürzlich auch in Fettzellen entdeckt. Experimente in molekular veränderten Fettzellen mit wenig oder gar keinem Rezeptor belegen nun, dass der Mineralokortikoidrezeptor auch den Energiehaushalt und die Ausschüttung entzündungsfördernder Fettzellhormone beeinflusst.

The mineralocorticoid receptor induces pro-inflammatory effects in white adipocytes and is essential for adipogenesis. European Congress of Endocrinology, Berlin 2008

Kommentar: Die Erkenntnis, dass Aldosteron über seinen spezifischen Rezeptor auch Schlüsselfunktionen der Fettzelle beeinflusst, könnte zur Entwicklung neuer medikamentöser Behandlungsstrategien von Volkskrankheiten wie Übergewicht und den damit verbundenen Komplikationen Diabetes und Bluthochdruck beitragen.